4 Tage Trekking im Steigerwald – Wandern mit Kindern

Der Steigerwald – wo ist das?

Ich kannte es nicht, aber es war das einzige Trekkinggebiet, das in dieser verrückten Zeit offen war. Pfalz, Schwarzwald, Hunsrück – alles, was bei uns in der Nähe ist, war geschlossen (mittlerweile nicht mehr). Also, dann eben Steigerwald. Der Steigerwald ist ein bis 498,5 m ü. NHN hohes Mittelgebirge im bayerisch-fränkischen Teil des Südwestdeutschen Stufenlandes zwischen Schweinfurt im Nordwesten, Uffenheim im Südwesten, Forchheim im Südosten und Bamberg im Nordosten (Quelle: Wikipedia).

Geplant hatte ich eigentlich die Hunsrück-Tour, und zwar für die Osterferien – aber ihr wisst ja alle, was da los war. Alle Camps bis auf die im Steigerwald waren geschlossen. Das war ein mulmiges Gefühl mit all den Corona-Fällen in Bayern. Wir beschlossen, die Tour auf die Pfingstferien zu verschieben. Und jetzt, Anfang Juni, wurden ja viele Auflagen gelockert. Also ab in den Steigerwald.

Die Südtour und die Nordtour

Es gibt im Steigerwald eine Nord- und eine Südtour. Natürlich kann man sich seine eigene Route zusammenstellen, aber warum kompliziert, wenn es auch Empfehlungen gibt. Ich wählte also die Südtour aus, weil sie insgesamt drei Übernachtungen bietet und mir die insgesamt 42 km als angemessen für meine 11jährige erschien. Keine Ahnung, warum die Zeltplätze auf der Seite von Trekking Steigerwald falsch nummeriert sind. Wenn du vorhast, unsere Tour nachzuwandern, achte beim Buchen bitte darauf. Die Nordtour bietet 6 Trekkingplätze und erstreckt sich über 74 km.

Karte Steigerwald
Die Südtour, wie wir sie gelaufen sind. Am Ende des ersten Tages (weiß) eine nervige Suche nach dem Trekkingplatz. Zu Beginn des zweiten Tages ein Irrweg in die falsche Richtung, weil wir immer noch total die Orientierung verloren hatten. Der dritte Tag (grün) war der kürzeste. Wir waren schon um 15 Uhr am Camp. Der letzte Tag (blau) war der längste. Eingezeichnet habe ich die Stellen, wo wir Wasser nachfüllen konnten. 

Die Steigerwald-App – ohne Worte!!!

Auf der Webseite des Trekking Steigerwald heißt es wunderschön: „Schalte die GPS-Funktion Deines Handys an. So wird Dein Standort in der App angezeigt und Du kannst dem Verlauf der Touren folgen.“

Prima, dachte ich und lud die App gleich auf mein Handy. Wer den Artikel über unsere Pfalz-Tour gelesen hat, weiß, dass ich total altmodisch auf Karten stehe. Sie brauchen keinen Akku und kein funktionierendes Netz. Trotzdem wollte ich der Technik eine Chance geben. Inzwischen habe ich auch ein internetfähiges Handy, yeah. Ausprobieren, ob das funktioniert, konnte ich zuhause leider nicht – man kriegt eine Meldung, dass man sich außerhalb des Trekkinggebiets Steigerwald befindet. Na, ist ja auch logisch.

Wie du oben schon gesehen hast, habe ich trotzdem eine Karte gekauft. Man kann ja nie wissen. Ich nehme gleich mal vorweg, dass das ein Segen war. Für die Südtour taugt die App nämlich absolut nichts. Warum, das liest du gleich.

Tag 1 – von Ebrach ins Trekkingcamp Klinge

Ja, man hätte mit Bahn und Bus anreisen können. Aber dieses Mal, unter diesen Umständen, entschloss ich mich für unser Auto. Mitgegangen sind meine älteste Tochter (15) und meine zweitälteste (11). Der fleißige Papa jonglierte Job und die restliche Familie (Sohn und jüngste Tochter) zuhause.

Rucksäcke
Auf diesem Parkplatz am Naturschwimmbad in Ebrach sind wir gestartet.

Ach ja, der Hund durfte natürlich auch mit. Der musste als Einziger nichts tragen. Nicht einmal sein Futter. Höchstens die vielen Zecken, die er sich täglich eingefangen hat.

Raus aus Ebrach

Aus Ebrach heraus mussten wir erst einmal ein kurzes Stück an der Straße entlanggehen. Der Himmel war wolkenverhangen, aber es regnete zum Glück nicht. Dann fanden wir den Einstieg rechts hinauf auf den Hügel und es konnte losgehen.

Pause in Großgressingen
Pause in Großgressingen. All die leckeren und vor allem schweren Dinge müssen unbedingt aufgegessen werden!

Da wir eine etwas mehr als zweistündige Anfahrt hinter uns hatten, war es schon ein Uhr nachmittags, als wir in Ebrach ankamen. Wir wanderten über geteerte Feldwege zum nächsten Ort, Großgressingen. Kein Mensch war hier auf den Straßen, aber die vielen riesigen Hofhunde fanden unseren Minihund sehr interessant. Mit geiferndem Gebell durchquerten wir den Ort und verzehrten unser Mittagessen auf einer kleinen Bank. Hm, lecker! Jetzt galt es, all die köstlichen, schweren Dinge aufzuessen, wie Brot, Obst und gekochte Eier. Ein Festmahl.

Ab hier führte der Weg in den Wald.

Schotterweg bei Ebrach
So sah der Weg am Mittag aus. Lange, eintönige Schotterwege, kerzengerade durch den Wald.

Wir waren immer noch euphorisch und bester Laune. Das Wetter war nicht schlecht und der Wald sah ja auch schön aus. Viele alte Bäume säumten den Weg und das Gehen fiel leicht.

Die Steigerwald-App fällt aus

Aber dann der Schreck. Kurz nach Großgressingen wieder diese Meldung: „Es scheint, Sie befinden sich außerhalb des Trekkinggebiets Steigerwald.“

Hä, bitteschön, was? Wir befinden uns exakt auf der Südroute, verflixt noch mal! Aber da half kein Schimpfen, kein Fluchen und kein Neustart. Es war unmöglich, die Karte auf dem Handy mit zwei Fingern größer zu ziehen. Sie sprang immer wieder zurück auf die Gesamtübersicht und der blaue Punkt, der den Standort anzeigt, war verschwunden.

Okay. Tief Luft geholt und die Karte hervorgezogen. Unseren Standort fanden wir (noch …) auf der Karte anhand bestimmter Wegmarken, und so war es nicht das große Problem, dem Weg ein Stück weiter zu folgen. Allerdings machte mir ein Gedanke Bauchweh – wie sollten wir am Abend den Trekkingplatz finden? Es gab viele Forstwege und Routenalternativen und da es unmöglich war, die Karte mit der Route zu vergrößern, konnten wir nur ungefähr die Richtung halten. Arrrg!!

Schon verliefen wir uns das erste Mal…

Schotterweg bei Ebrach mit Kind und Hund
Und die Wege sahen alle gleich aus. Breite Schotterwege.

 

Kein Internetempfang

Nahezu den ganzen ersten Tag und den halben zweiten hatten wir keinen Internetempfang. Erst auf dem zweiten Trekkingplatz, als wir uns der Zivilisation etwas näherten, funktionierte es wieder.  Davor wurde auf der Homepage trekkingerlebnis.de gewarnt.

Nun standen wir also im Wald, der Abend nahte, wir waren müde, hungrig und zu allem Übel fing es an zu regnen. Nicht stark, aber doch so, dass es nervte.

GPS. Die Koordinaten des Trekkingplatzes hatten wir ja. Aber Google maps funktioniert nicht ohne Internet! Es war zum Haareausraufen! Für etwa 1 Minute hatten wir, oh Wunder, Internet und konnten sehen, dass wir etwa noch 500 m vom Platz entfernt waren. Dann wieder Netz weg und wir keine Ahnung, in welche Richtung wir gehen sollten.

In der Pfalz, wir erinnern uns, waren die Trekkingplätze gut versteckt. Niemals hätte man sie vom Weg aus zufällig gefunden. Aus diesem Grund hat uns die Pfalz auch Wegbeschreibungen per Email gesandt. Das haben die im Steigerwald nicht gemacht. Leider. Schon als ich die Buchungsbestätigung erhalten hatte, hatte ich ein vages Unruhegefühl im Bauch. Leider wie so oft habe ich nicht darauf gehört und mich auf die App und die Karte verlassen. Nur nützt einem die Karte leider auch nichts, wenn man nicht weiß, wo man hinmuss.

Meine zwei Mädels waren aber total cool. Kein Jammern, kein Schimpfen. Wir berieten uns gemeinsam, probierten hier einen überwucherten Pfad und dort einen Wirtschaftsweg. Kein Trekkingplatz.

Es war schon 19 Uhr und regnete immer stärker. Schließlich warfen wir die Rucksäcke unter einen dichten Baum. Noch eine Sache wollte ich ausprobieren, ansonsten würden wir an Ort und Stelle zelten, habe ich rumgeschimpft. Da war so eine „Diensthütte“ auf der Karte eingezeichnet, die wollte ich finden. Mit der vagen Hoffnung im Hinterkopf, dass eine „Diensthütte“ vielleicht ein Trekkingcamp wäre???

Ich stapfte alleine durch hüfthohes Gras unter Zweigen hindurch durch den Wald (auf der Karte war dieser Weg schön breit und weiß :-)) und fand auf einer Anhöhe die „Diensthütte“. Sie war ein solider Holzbau mit einer, oh Freude, gemähten Wiese drum herum, wie perfekt zum Zelten. Sogar eine Grillstelle gab es, aber die war natürlich klatschnass geregnet. Die Hütte hatte eine überdachte Terrasse mit Holzbänken.

Also schön. Besser hier zelten als mitten im Wald. Ich holte die Kinder, wir setzten uns auf die Bänke und starrten vor uns hin. Was jetzt? Zelt aufbauen im Regen?

Die Rettung naht

Auf der ganzen Wanderung von Ebrach bis zur „Diensthütte“ haben wir niemanden getroffen. Wirklich niemanden. Und plötzlich marschierten da zwei Leute auf der Wiese vor der „Diensthütte“ herum.

Sofort rannte ich auf die beiden zu. Und wie durch ein Wunder wussten sie, wo der Trekkingplatz war. UNGLAUBLICH!!!

Sie beschrieben uns den Weg. Tatsächlich waren wir noch ca. einen halben Kilometer davon entfernt. Genau wie es uns unser kleiner Schnappschuss von Google Maps verraten hatte. Alleine hätten wir das Camp nie gefunden, auch wenn es anders als in der Pfalz direkt an einem – wer errät es? – breiten Schotterweg lag.

Abendessen im Regen
Abendessen im Regen. Im Hintergrund siehst du unser weißes Zelt

Ein Vater mit seinem achtjährigen Sohn hatte schon ein Feuer in Gang gebracht, trotz des nassen Holzes. Sie waren die einzigen hier mit uns, obwohl laut Buchungsplan eigentlich alle 10 Plätze belegt sein sollten. Das konnte uns nur recht sein. Wir bauten in Windeseile unser Zelt auf und setzten uns zu ihnen. Zum Kochen hatten wir jetzt zwar überhaupt keinen Nerv mehr, aber noch etwas leckeres Brot mit Käse übrig. Das schmeckte himmlisch nach dieser Irr-Wanderung. Die anderen kochten gemütlich Nudeln mit Soße, garniert mit Regentropfen.

Am Lagerfeuer werden Informationen ausgetauscht, das weiß jeder mit ein bisschen Trekking-Erfahrung. Und wieder hatten wir unglaubliches Glück. Die beiden Jungs waren die Südroute entgegengesetzt gelaufen wie wir und konnten uns zum einen präzise beschreiben, wo der nächste Trekkingplatz lag – nach der heutigen Erfahrung ein kostbares Wissen! Und zum anderen warnten sie uns, dass wir am nächsten Tag ein Wasserproblem haben würden, denn Bäche waren keine am Weg, und aus den vielen Pfützen und stehenden Wasserlöchern wollten wir ja nicht wirklich trinken – auch nicht mit unserem Wasserfilter, den wir natürlich dabei hatten. Sie gaben uns den Tipp mit dem Diebsbrunnen – dazu später mehr.

Hund im Regen
„Krieg ich eigentlich auch was zu essen, wenn ich schon hier im Regen hocken muss?“ – „Aber klar doch.“

Diese Regenponchos, die wir anhaben, sind übrigens in mancherlei Hinsicht praktisch. Man schwitzt nicht so darunter wie in eng anliegenden Regenjacken. Man kann allerlei darunter verstauen – ich habe hier auf dem Foto unsere Essenstasche und noch so allerlei auf dem Schoss. Etwas ungeschickt sind sie beim Hantieren mit dem Feuer und wenn man sie nachts unachtsam in die Zeltapsis legt, sind sie morgens auch von innen nass – aber das war ja meine eigene Schuld.

Schließlich regnete es immer stärker und das Lagerfeuer qualmte immer mehr, sodass wir uns schließlich ins Zelt zurückzogen. Noch eine Runde UNO und dann ging es ins Bett.

Hund im Zelt

Und wer sich gefragt hat, wo unser Hund schläft – hier ist die Antwort. Irgendwo am Fußende, unter den Schlafsäcken oder dazwischen, mal hier und mal da. Manchmal kriecht er auch nach vorne und verteilt Küsschen.

Nasser Hund im Zelt – mmmh. Aber er hat ja wirklich alles brav mitgemacht.

 

 

Tag 2 – Vom Trekkingplatz Klinge zum Trekkingplatz Pfaffenwiese

Jedenfalls regnete es die ganze Nacht durch und am Morgen auch. Irgendwann kann man auch beim besten Willen nicht mehr im Schlafsack rumlümmeln. Wir haben versucht, Kakerlaken-Poker in Erinnerung an unsere Tour auf dem Karnischen Höhenweg zu spielen, aber irgendwie war die Faszination weg. Also doch lieber wieder UNO und das gefühlt 1000mal. Um 11 Uhr hielten wir es nicht mehr aus und bauten unser Zelt ab. Es regnete immer noch, aber so dünn, dass wir auf unsere Ponchos verzichten konnten. Vater und Sohn waren schon aufgebrochen. Für sie war es der letzte Tag und sie konnten sich auf eine warme Dusche zuhause freuen.

Übrigens, lieber Marlon, falls du das hier liest: Wir haben tatsächlich deinen Regenponcho gefunden. Du hast ihn gleich nach dem Trekkingcamp Pfaffenwiese verloren. So ein Pech.

Wegkreuzung
 Wo müssen wir lang? Rechts oder links?

Der nette Trekker von gestern Abend hatte uns die Richtung gezeigt, in die wir gehen mussten. Aber … wir haben ihm nicht geglaubt. Schande über uns. Denn in unserem Kopf war die Karte irgendwie um 180° gedreht, und wir wussten eigentlich immer noch nicht genau, wo wir uns befanden.

Also latschten wir munter in die falsche Richtung los, bis wir auf eine Autostraße stießen. Alles passte nicht zur Karte, die Biegung der Straße, die Wegverläufe – kurz, wir hatten uns total verlaufen. Zum Glück kam in dieser einsamen Gegend ein Pärchen auf einem Motorrad vorbei. Die hielt ich an und mit ihrer Hilfe kapierte ich endlich, wo wir waren.

Okay. Dann halt wieder den gleichen Weg zurück bis zum Trekkingplatz. Dort aßen wir zu Mittag – eigentlich hätten wir gar nicht erst loslaufen müssen.

Mittagessen mit Holzkocher
Es ist nicht einfach, mit nassen Holz ein Feuer anzukriegen. Und es qualmt fürchterlich.

Als wir fertig waren, tauchten plötzlich lauter Eltern mit Kindern auf, die hier übernachten wollten. Wir flüchteten – dieses Mal aber in die richtige Richtung.

Der Diebsbrunnen

Unser Wasser würde auf jeden Fall für diesen Tag nicht ausreichen. Wir waren also entschlossen, den Diebsbrunnen aufzusuchen. Eine andere Wasserquelle gäbe es nicht, warnte uns der Trekker.

Diebsbrunnen Schild
Wenn man nicht weiß, wo man suchen muss, findet man den Pfad zum Diebsbrunnen nicht.
Biebsbrunnen Quelle
Die Quelle für den Diebsbrunnen entspringt erstaunlicherweise zwischen den Wurzeln dieses Baumes. Ich prüfe gerade, ob man dort Wasser entnehmen kann. Leider nein. Das Rinnsal ist zu schwach.

 

Hm, wenn nicht direkt aus der Quelle zwischen den Baumwurzeln, wo hat der Trekker denn das Wasser entnommen? Doch sicher nicht aus dem Tümpel dort unten.

Tümpel
Die Kinder warten durstig

Den Abfluss des Teiches fanden wir auf der gegenüberliegenden Seite. Dort war das Wasser wenigstens am Fließen und Plätschern, denn aus dem stehenden Tümpel wollte ich nun doch kein Wasser entnehmen, nicht mal mit unserem Filter. Man weiß ja nie.

Beim Wasser filtern
Eine hält die Flasche, die andere drückt das Wasser durch den Filter. Eine mühsame Angelegenheit.

Fast eine Stunde haben wir Wasser gefiltert. Es ist ja auch nur ein kleiner Mini-Filter, eher für Notfälle als für den Dauergebrauch. Aber so eine Art Notfall war es ja auch. Wir haben an diesem Tag keine andere Wasserquelle gefunden, außer den brackigen Pfützen vom Regen. Bäh.

Okay, natürlich besteht keine wirkliche Gefahr zu verdursten. Es gibt ja durchaus Ortschaften in der Nähe. Aber wer hat Lust, einige Kilometer dorthin zu wandern und dann wieder zurück? —> Niemand.

Am Trekkingplatz Pfaffenwiese

Zelt trocknen
Trekkingplatz Pfaffenwiese. Ganz im Hintergrund, rechts von der Hütte, steht die Komposttoilette. Wegen Corona waren alle Toiletten allerdings geschlossen. Die Folgen für den umliegenden Wald kannst du dir selbst ausmalen.

Als wir ankamen, waren wir alleine. Wir konnten in aller Ruhe das nasse Zelt trocknen. Die Hütte war abgeschlossen, dafür standen draußen Holzbänke und Tische.

 

rauchender Kocher
Ich liebe meinen Hobo! Im Hintergrund sieht man Tisch und Bank.

Der Holzkocher hat allerdings einen Nachteil, weswegen ich mir doch wahrscheinlich noch einen Spirituskocher zulegen muss. Nasses Holz brennt schrecklich schlecht und unsauber. Und er ist schlecht zu regulieren. Wenn er brennt, dann ordentlich. Zwar brennen die kleinen Äste schnell ab, aber man braucht einen sicheren Untergrund, vor allem bei Trockenheit. Aber er macht richtig Spaß. Brennmaterial gibt es immer, und man kann jederzeit ein schnuckelig kleines Lagerfeuerchen entzünden, man muss ja nicht zwangsläufig etwas kochen!

Unser Essen

Essen im Teller
Das gab es heute zu essen – Buchweizenschrot gekocht mit Zucchini, Möhren und Lauch. Ordentlich gewürzt mit Chili und Tabouleh-Gewürz.

Bei der Gelegenheit kann ich ja mal ein paar Worte zu unserer Verpflegung verlieren. Die meisten Trekker werden Instantnudeln in allen Variationen mitnehmen. Praktisch, schön leicht, kann man überall kaufen. Wir mit unserer Glutenunverträglichkeit können das leider nicht. Daher habe ich mir dieses Mal im Vorfeld viele Gedanken gemacht, denn etwas Gutes zu essen ist ja das Highlight auf jeder Tour. Und gesund soll es nach Möglichkeit auch sein 😉

Für die Abende habe ich daher schon zuhause Portionen abgewogen und verpackt. Einmal Reisflocken, einmal Hirseflocken und einmal Buchweizenflocken. Die waren übrigens am leckersten. Salz und ordentlich Gewürze habe ich auch gleich mit reingetan, sodass das Ganze nur noch ins Wasser geschmissen werden musste. Ebenfalls zuhause habe ich Gemüse kleingeschnippelt und im Trockenautomat getrocknet. Eigentlich wollte ich es kaufen, aber man findet getrocknetes Gemüse nur für Hunde. Also musste ich es selbst machen. Es war ein Versuch, aber ich muss sagen, ein sehr gelungener. Das getrocknete Gemüse ist im Wasser wieder ordentlich aufgequollen und hat richtig lecker geschmeckt. Bestimmt viel besser als gekauftes.

getrocknetes Gemüse
Oben die Buchweizenflocken und unten das getrocknete Gemüse

Ja, die Plastiktüten sind blöd. Hat mir auch nicht gefallen. Sie sind halt leicht und halten dicht. Wenn du eine Alternative weißt, lass es mich wissen.

Zum Frühstück habe ich uns ein Porridge gemixt.

Porridge
Oben das rosa Porridge, links unten gelb die Hirseflocken, rechts die Reisflocken

Es besteht im wesentlichen aus glutenfreien Haferflocken, verschiedenen Fruchtpulvern, getrockneten Johannisbeeren (die waren angeblich am leckersten), Rosinen und Nüssen.

Aufgekocht war es sehr sämig und machte schön satt und zufrieden.

Pro Person habe ich ca. 70 g Porridge berechnet. Das kam wunderbar hin und alle waren pappsatt. Aber mit den Flocken samt dem Gemüse habe ich mich irgendwie vertan, das war zu viel für meinen kleinen Kochtopf. Für uns drei habe ich ca. 200 g Flocken abgewogen, aber das war viel zu viel. Ein Kochtopf, voll bis obenhin, hat für uns alle gut gereicht. Der Fehler war, dass ich das aufgequollene Gemüse nicht zum Volumen hinzugerechnet hatte. Macht ja nichts, den Rest essen wir zuhause.

Zwischendurch gab es noch Müsliriegel und andere Kleinigkeiten für die gute Laune, aber die Hauptmahlzeiten waren morgens und abends.

 

Geschirr spülen ohne Wasser
Da Wasser Mangelware ist, wird das Geschirr nur mit nassem Gras ausgewischt und dann mit einem Zewa abgerieben. Geht halt nicht anders.

Tag 3 – Vom Pfaffenwiese zum Trekkingplatz Lindach

Sonne! Schon am Abend zuvor war sie hervorgekommen, aber heute war ein sonniger Tag zu erwarten. Wunderbar! Wir wanderten los in Richtung Mönchsherrendorf, wo wir hoffentlich unsere Flaschen wieder auffüllen konnten.

Den Berg hoch wandern
Aus dem Wald heraus in die pralle Sonne. Hinter uns ein winziges Dorf namens Büchelberg.

Wenigstens kamen wir jetzt aus dem ewigen Wald heraus. Mal etwas anderes als Grün zu sehen war auch ganz angenehm für die Augen.

In Mönchsherrendorf angekommen, fanden wir gleich ein paar junge Leute fast erschlagen neben ihren Rucksäcken im Schatten liegen. Sie teilten uns mit, dass die Bäckerei heute wegen eines Todesfalls geschlossen hatte. Ausgerechnet! Nicht wegen der Backwaren, mit denen hätten wir sowieso nichts anfangen können, aber wir hatten gehofft, dort Wasser auffüllen oder kaufen zu können. Gut. Dann gingen wir eben in die Metzgerei. Brav angestellt, mit Maske, und als wir drankamen, wollte die Metzgerin erst unsere Flaschen nicht über den Tresen nehmen. Dann hat sie es sich aber doch noch überlegt und uns sogar noch drei Schokoriegel geschenkt. Echt nett!

Pause unter Bäumen
Mittagspause im Schatten

Weiter ging es. Unsere Mittagspause hielten wir, von einem Marienstandbild bewacht, unter diesen Bäumen. Der Weg war dieses Mal wirklich viel zu kurz. Wir trödelten herum, aber naja, irgendwann muss man ja doch mal weiter. Um 15 Uhr kamen wir schon am nächsten Trekkingplatz an.

Trekkingplatz Lindach

Trekkingplatz Lindach
Da ist er schon, der Trekkingplatz Lindach. Wir sind viel zu früh.

Versteckt sind die Trekkingplätze im Steigerwald wirklich nicht. Sogar ein Schild stand jedes Mal am Schotterweg.

Den besten Zeltplatz hatte schon ein Vater mit seinem Sohn belegt – es sind wirklich viele Väter mit Söhnen unterwegs. Aber wir fanden den zweitbesten. Nämlich hier:

Zeltplatz unter Bäumen
Zeltplatz unter Bäumen. Alle genießen das Nichtstun. Die Stechmücken lieben meine älteste Tochter, daher trägt sie trotz des warmen Wetters ihre Fleecejacke.

Wir verbringen die Zeit mit, na was wohl, UNO spielen, lesen, einfach gar nichts tun und den Hund von Zecken befreien. So nach und nach füllt sich der Trekkingplatz, bis er schließlich mit zwölf Personen und insgesamt 5 Zelten sogar überbelegt ist.

Auch das ist eine Besonderheit des Trekkinggebiets Steigerwald. Man bezahlt hier nicht nach Zelt wie sonst überall, sondern nach Personen. Das müssen einige nicht beachtet haben, sonst wäre es hier nicht so voll gewesen. Bestimmt haben sie nur ein Zelt angemeldet und sich gefreut, dass es so billig ist. Ist es aber im Vergleich eigentlich nicht, wenn man korrekt die Personenzahl angibt und nicht gerade alleine unterwegs ist.

3. Tag Abendessen
Abendessen am Lagerfeuer. Im Hintergrund siehst du etwas erhöht unser Zelt im Wald.

Die Kinder fanden diesen Trekkingplatz am schönsten. Er war ziemlich groß angelegt und die Feuerstelle schön mit Sitzgelegenheiten ausgestattet. Z.B. bei der Pfaffenwiese wäre es mit 5 Zelten wirklich sehr eng geworden.

Am Lagerfeuer wechselten sich die Leute ab, sodass jeder mal sitzen und essen konnte. Es hat wunderbar geklappt. Man redete, tauschte Informationen aus und genoss einfach den lauen Abend am Feuer. Soooo schön!

Erneut ein Wasserproblem

Aber als wir unser Abendessen vorbereiten wollten, erlebten wir eine unangenehme Überraschung. Die Metzgerin hatte alle unsere Flaschen nur halb aufgefüllt.

Schluck. Uns fehlte bestimmt mehr als ein ganzer Liter, mit dem ich fest gerechnet hatte. Warum hat sie das getan? Ich kann es mir nur erklären, dass sie in der Corona-Hektik den Wasserhahn auf volle Pulle gedreht hat, um möglichst schnell fertigzuwerden. Das Wasser ist übergeschäumt und die Flaschen waren nur halb voll. Ach du Schreck.

Aber nicht zu ändern. Wir rationierten das Wasser, ließen einen Rest für morgen früh fürs Porridge und hofften, morgen unterwegs etwas zu finden. Ja, wir hatten schon Durst, als wir ins Bett gingen.

Tag 4 – Vom Trekkingplatz Lindach nach Ebrach

Am nächsten Tag brachen wir früh auf. Ab hier funktionierte auch die Steigerwald-App wieder. Na danke, nach Ebrach hätte ich auch mit meiner Karte gefunden. Aber immerhin.

Kinder wandern am Waldrand
Kurz vor Oberweiler. Heute ist es richtig heiß. Hoffentlich finden wir dort Wasser.

Ausgedörrt wanderten wir durch den Wald bis zu einem kleinen Ort namens Oberweiler. Dort gab es ein Wirtshaus, das allerdings ziemlich geschlossen aussah. Ich schickte die Kinder rein, um nach Wasser zu fragen, und juchhu, sie kamen mit dieses Mal prall gefüllten Flaschen wieder heraus. Das war eine Labsal, dieses Wasser! Wir gluckerten uns die Bäuche bis oben hin voll.

Mittags rasteten wir auf einer Wiese, im Ohr das Quaken von unzähligen Fröschen. Der Teich dazu war so zugewachsen, dass wir ihn nicht mal von weitem sehen konnten.

Zecken

Es wimmelte von Zecken. In den Wiesen, im Wald – wir sammelten bei jeder Rast unzählige Zecken vom Hundefell, aber auch von uns. Das erste, was wir taten, wenn wir das Zelt aufgeschlagen hatten, war, uns nach Zecken abzusuchen. Zum Glück hatte ich noch die Zeckenzange für den Hund eingesteckt. Leider hat es auch eine kleine gemeine Zecke geschafft, die Elfjährige hinterm Ohr zu beißen. Echt gemein.

Diese Zecke wandert gerade die Hose hoch
Wer sieht das kleine gemeine Zeckenbiest im Hundefell? Die Minizecke taucht gerade unter und will sich reinbohren
Diese Zecke lauert auf einem Halm auf ihr nächstes Opfer

 

 

 

 

[su_spacer size=“40″]

Das Ziel ist in Sicht

Über die Autostraße nach Ebrach
Über die Autostraße nach Ebrach

 

Jetzt ging es noch durch den Wald – auf Schotterwegen – in Richtung Ebrach. Blöderweise führte uns die App die letzten Kilometer entlang einer Fahrstraße. Das war schon richtig unangenehm.

 

Kloster Ebrach
Vorbei am Kloster Ebrach

In Ebrach kamen wir am frühen Nachmittag an. Es gibt hier eine sehr schöne Klosteranlage, aber wir hatten keinen Nerv mehr, sie genauer zu besichtigen. Von außen jedenfalls war das Kloster sehr imposant.

Die Kinder lechzten nach einem Eis oder einer Apfelschorle, und das hatten sie sich nach all der Anstrengung auch verdient. Schau mal:

Apfelsaft
Zufriedener Teenager mit Apfelschorle
Eisschokolade
Zufriedenes Kind mit Eisschokolade

So, und hier endete unsere Wanderung. Zum Auto am Schwimmbad waren es nur noch ein paar Schritte. Ach ja, und falls nicht gerade Corona-Zeit ist, vergiss nicht, deine Badehose und frische Klamotten ins Auto zu legen. Ins Schwimmbad zu springen wäre noch die Krönung gewesen 🙂

Fazit zur Steigerwald-Südtour

Ja, was soll ich sagen. Ich bin da ein bisschen unschlüssig. Nach ewigen Wochen Homeschooling und Aufeinanderhocken hat es wahnsinnig gut getan, da mal für einige Tage auszubrechen. Wer Einsamkeit und Ruhe sucht, ist im Steigerwald bestens aufgehoben. Leute haben wir fast nur auf den Trekkingplätzen getroffen. Und natürlich in den Orten. Ab und zu überholten uns mal ein paar Radfahrer und einmal trafen wir auf eine Familie mit Kindern. Sonst war niemand im Wald unterwegs. NIEMAND.

Positiv fanden wir auch die Trekkingplätze. Sie waren schön angelegt und boten genügend Platz an der Feuerstelle zum Sitzen. Mehr erwartet man ja auch nicht.

Unmöglich finde ich die Steigerwald-App. Wer sich darauf verlässt, ist echt angeschmiert. Dieses Problem mit der Südroute muss doch den Verantwortlichen bekannt sein. Dann wäre ein Hinweis auf der Seite doch ganz nett, oder besser noch, das Gebiet gehört ausgedehnt, sodass auch die Südroute mit der App zu benutzen ist. Und vielleicht trotzdem eine Wegbeschreibung zu den Plätzen, die man mit der Buchungsbestätigung erhält. Zur Sicherheit, so wie es in der Pfalz war. Ich habe diesbezüglich eine Email an die Gemeinde Ebrach geschrieben. Antwort steht noch aus.

Der Trekker mit Sohn, den wir auf dem 1. Camp getroffen hatten, hat einen Ausdruck von der Seite outdooractive.com dabeigehabt. Vielleicht lohnt es sich, dort mal vorbeizuschauen.

Und eine andere Frau hatte ein GPS-Gerät. Das funktioniert laut ihr wunderbar.

Vielleicht habe ich mich auch besonders blöd angestellt. Alle anderen haben die Trekkingplätze ja gefunden 🙂

Der Steigerwald an sich ist ein schönes Gebiet. Auf einer Kuppe über Mönchsherrendorf hatten wir einen wunderschönen Blick über die Berge und Hügel. Aber: Die Forst- und Feldwege, über die die Route führt, sind echt nicht der Bringer. Man kann zwar schön nebeneinander laufen und sich unterhalten, aber hm, ein Trekkinggefühl kam überhaupt nicht auf. Eher so Gedanken, wann fangen denn endlich die schönen Wege an?

Die meiste Zeit der Strecke wandert man durch den Wald. In einem heißen Sommer ist das natürlich sehr angenehm. Nur die Wasserversorgung sollte man gut planen!

Insgesamt fehlte mir auf der Tour das Highlight, eine landschaftliche Besonderheit oder eine Sehenswürdigkeit. Wir liefen einfach vier Tage Forstwege von einem Trekkingplatz zum anderen. Es war okay, aber nichts, was man zuhause nicht auch hat. Ja, zugegeben, zuhause habe ich nicht die schönen Trekkingplätze. Und die machen Kindern echt richtig Spaß.

Einen Punktabzug gibt es auch wegen der Fahrstraße, die wir am Ende entlangwandern mussten. Das lasse ich mir auf ein paar hundert Metern gefallen, weil es manchmal ja nicht anders geht. Aber diese lange Strecke war wirklich nicht schön. Vor allem mit Kindern und Hund auch gefährlich.

Die Statistik

Die ist schnell abgehakt. Die Trekkingplätze kosten pro Person und Nacht 4,80 €. Also habe ich für drei Übernachtungen insgesamt 43,20 € bezahlt. Und zwei Apfelschorle und 1 Eisschokolade im Café in Ebrach kosteten 8,50 €. Sonst haben wir nichts ausgegeben. Das Benzin für die Anreise rechne ich nicht, das ist ja auch bei jedem anders.

Getragen hat die 11jährige anfangs 4,6 kg, die 15jährige 11,4 kg und ich 13,8 kg. Aber das Gewicht ging schnell runter, denn alleine das Brot wog ca. 1,5 kg. Obst und gekochte Eier waren ja auch ratzfatz weg. Schade, ich hätte die Rucksäcke mal nach unserer Rückkehr wiegen sollen :-). Sie waren da nämlich wirklich leicht.

Die Packliste sah ähnlich aus wie damals in der Pfalz, wen das interessiert, der kann dort nachgucken. Über unser Essen habe ich ja im Artikel geschrieben. Das war ein kleines Experiment für eine spätere Trekkingtour, die ich plane.

Nach der Trekkingtour ist vor der Trekkingtour!